Die Herren der Zäune. Roman.
Magnus Mills, Suhrkamp 2002

 

Warum sollte man ein Buch über Zaunbauer lesen? Die Kunst des Spanndrahtzaunbaus mag, wie jedes Handwerk, Fertigkeiten voraussetzen, ihre Tricks und Notwendigkeiten besitzen, besser werden, je länger man es tut. Wie lange Tam, Richie und ihr namenloser Vorarbeiter, der Ich-Erzähler dieses kurzgeschichtenartigen Romans, bereits in der Branche tätig sind, erfährt der geneigte Leser nicht. Er erfährt so vieles nicht. Und trotzdem ist "Die Herren der Zäune" ein sehr kurzweiliges, extrem lakonisches, unterhaltsames, frustrierendes, erschreckendes Buch, dessen drei bis fünf Protagonisten große Nähe vermitteln, ein Gefühl von Authentizität.

Eine schottische Spezialfirma, deren Besitzer Donald, selbst Meister des Zaunbaus, und Ex-Besitzer Robert, geschaßt in einem Bürocontainer ohne Telefon und Durchgang zum Chefzimmer sitzend, einen Auftrag in England an Land gezogen haben, schickt "Team 3" nach Süden, wo es pausenlos regnet, das Bier nach Pisse schmeckt und die Pubs um halb elf schließen. Die beiden Stoiker Tam und Richie zeigen ehepaarähnliche Verhaltensweisen, wobei ihre Kommunikation auf ein Minimum reduziert ist. Unser Erzähler, selbst Engländer, wird Vorarbeiter der beiden langhaarigen, muskulösen, extrem trinkfesten, notorisch finanzschwachen, schlecht gekleideten, unsauberen, sorglosen, schweigsamen, pausenlos rauchenden - und perfekte Zäune bauenden Schotten. Einziger wirklicher Makel: Mit der Arbeitssicherheit nehmen sie es nicht so genau. Die eine oder andere Leiche pflastert den Weg der drei nach und durch "Upper Bowland", einer Gemeinde irgendwo im englischen Norden, wo sie zunächst einen Hügel um- und durchzäunen, später dann für die seltsamen "Gebrüder Hall" einen weiteren Zaun, Pferche und derlei mehr bauen sollen. Zwischen den Bauarbeiten hocken die drei im stinkenden, mehr und mehr versiffenden, vom Auseinanderfallen bedrohten Firmenwohnenwagen, oder im Pub. Mehr passiert eigentlich nicht.

Bei diesem Buch bleibt einem oft das Lachen im Halse stecken, Dialoge und Handlung sind von staubtrockenem Humor gekennzeichnet, gleichzeitig glaubwürdig, zwingend, fesselnd. Ein ganz erstaunlicher Roman, der gegen Ende mehr und mehr kafkaeske Züge annimmt, eine Bedrohlichkeit und Ausweglosigkeit entwickelt, die den Leser zwischen "Nein, ich *möchte* das eigentlich nicht wissen" und "Scheiße, wie zur Hölle geht's weiter?" pendeln läßt - ein Seitenfresser, fantastisch geschrieben. Für den deutschen Titel hat Suhrkamp allerdings keinen Orden verdient, der englische lautete "The Restraint of Beasts" (Die Beherrschung der Bestien).


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