Die Fremde ist ein Ort. Gedichte.
Sabina Lorenz, Lyrik Edition 2000, November 2007


"Es war so ein Tag, an dem ich die Liebe
aus dem Fenster warf, fort und weg
möge sie treffen, wen sie wolle
Gefühlsausflüge in den Müllcontainer
oder vom Wind verstreut über die Dächer.

Und auf den Tag folgte die Nacht
und da kam sie zurück, die Liebe
Etwas schmuddelig, ziemlich verstaubt und
Harz im Haar, Sand zwischen den Zähnen, da
zog sie ihre durchlöcherten Socken aus"

Libri und Books on Demand unterstützen die Lyrikreihe "Edition 2000" des Allitera Verlags. Nichts, was große Auflagen verheißt oder fette Gewinne, eine Liebhaberedition, gesponsert von einer großen Firma, die sich diesen Spleen leisten kann. Und Gott sei Dank auch leistet.

Als neuestes ist das schmale Bändchen von Sabina Lorenz: "Die Fremde ist ein Ort" erschienen. Wie soll man Lyrik besprechen? Sie spricht den einen an, den anderen nicht, einen Plot hat sie meist nicht und auch keinen Personenkonstellationen, die man preisen oder zerreißen könnte. So beschränkt man sich auf Worte, die oft hochtrabend sind, weil sie die Ratlosigkeit verbergen müssen.

Was finden wir bei Sabina Lorenz? Nicht nur Gedichte, auch kurze Prosastücke, Kürzestgeschichten eigentlich, nur sind es keine Geschichten, sondern poetische Texte:

"Ich habe Gott im Gras gesucht. Meine Großmutter meinte, ich könne ihn dort finden, er sei überall. Also kniete ich in der Wiese und suchte. Was ich fand, war aber nicht Gott. Ich fand Ameisen. Und eine Kellerassel. Die spießte ich mit einem Stöcken auf, heraus ..."

Gerade diese poetischen Texte können verzaubern, sind in meinen Augen die Stärke des Buches, Texte, für die es nicht mal einen Gattungsnamen gibt, die auf ganz eigene Weise den Leser ansprechen und verlocken, sie immer wieder zu lesen.

So ist ein Liebhaberbändchen entstanden, das zu lesen sich lohnt, das zeigt, dass nicht die Zahl der Worte festlegt, was zum Lesen reizt, sondern auch stille, ganz kurze Texte. Jedenfalls gibt es in diesem Bändchen einiges zu entdecken und das macht es so spannend.

"Eine Glastür ist eine Glastür, deshalb darf das Kind sie auch nicht anfassen, wenn die Mutter saugt, spült und wischt, denn wäre die Glastür keine Glastür sähe man die Fingerflecken nicht, und auch nicht die Schrift "ORÜBESIER", von drinnen halt. "

Leseprobe
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Die Fremde ist ein Ort, Sabina Lorenz, Gedichte, Lyrik Edition 2000, November 2007
ISBN 987-3-86520-281-9, TB, 71 Seiten, Euro 8,50

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